Schulgottesdienste - Schülergottesdienste - Religiöse Feiern

(Rechtliche) Grundlagen für Schüler- und Schulgottesdienste

  • add Schul- und Schülergottesdienste, Buß- und Bettag im Landesrecht Baden-Württemberg

    Schul- und Schülergottesdienst, Buß- und Bettag
    Verwaltungsvorschrift vom 31. Juli 2001 Az.: 41-6539.1/111
    Fundstelle: K.u.U. 2001, S. 306
    Zuletzt geändert durch Verwaltungsvorschrift vom 11.11.2009 (K.u.U. 2009, S. 223)

    I.

    Schul- und Schülergottesdienste leisten einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung des Erziehungs- und Bildungsauftrags der Schule. Sie dienen neben dem Religionsunterricht der religiösen Erziehung der Schülerinnen und Schüler. Dies gilt nicht nur für die Grund-, Haupt- und Werkrealschulen, die nach Artikel 15 Landesverfassung christliche Gemeinschaftsschulen sind, sondern entsprechend dem Auftrag von Grundgesetz, Landesverfassung und Schulgesetz für alle Schularten. Dies erfordert, dass Schul- und Schülergottesdienste im Rahmen der Unterrichtszeit am Vormittag möglich sind. Sie können auch im Schulgebäude abgehalten werden.

    1. Schulgottesdienste

    Den Schulen wird empfohlen, zu Beginn und Ende eines Schuljahres, vor oder nach größeren Ferienabschnitten (Weihnachtsferien, Osterferien) sowie am Buß- und Bettag in Absprache mit den örtlichen Kirchenbehörden Schulgottesdienste anzubieten. Dabei soll der Charakter dieser Gottesdienste als Veranstaltung der Schule deutlich werden. Die Teilnahme für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler ist freiwillig. Der Schulgottesdienst kann auch ökumenisch gestaltet werden.

    2. Schülergottesdienste

    Schülergottesdienste liegen in der Verantwortung der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Es ist jedoch Aufgabe der Schule, ihre Durchführung zu unterstützen. Auf Antrag einer örtlichen Kirchenbehörde haben die allgemeinbildenden Schulen sowie die beruflichen Vollzeitschulen eine Unterrichtsstunde in der Woche während der Unterrichtszeit am Vormittag für den Schülergottesdienst freizuhalten. Dies gilt, wenn und solange die auf Grund der Anzahl nichtteilnehmender Schülerinnen und Schüler entstehenden organisatorischen Schwierigkeiten in vertretbarem Rahmen bleiben. In strittigen Fällen führen die kirchlichen Oberbehörden im Zusammenwirken mit der zuständigen Schulaufsichtsbehörde eine Entscheidung herbei. Wo kein regelmäßiger Schülergottesdienst eingerichtet wird, sollten verstärkt Schulgottesdienste oder Schülergottesdienste in bestimmten Abständen oder zu besonderen Anlässen abgehalten werden (z. B. katholische Gottesdienste am Aschermittwoch oder Allerseelen).

    3. Beurlaubung für die Teilnahme an Gottesdiensten an Buß- und Bettag

    Schülerinnen und Schüler, die während der Unterrichtszeit an einem von der örtlichen Kirchengemeinde getragenen Gottesdienst teilnehmen wollen, sind hierfür vom Unterricht zu beurlauben.

  • add Grundsätze christlicher Gemeinschaftsschulen

    Schule und Gottesdienst – eine rechtliche Grundlegung

    „Die Jugend ist in Ehrfurcht vor Gott, im Geiste der christlichen Nächstenliebe, zur Brüderlichkeit aller Menschen... zu erziehen“, schreibt die Verfassung des Landes Baden-Württemberg vom 11.11.1953 (Artikel 12) fest, eine Zielbestimmung, die im Schulgesetz für Baden-Württemberg (§ 1) ausdrücklich aufgenommen wird. Nach Artikel 15 und 16 der Landesverfassung sind die Grund- und Hauptschulen (und künftig auch die Gemeinschaftsschulen) sogenannte „christliche Gemeinschaftsschulen in denen „die Kinder auf der Grundlage christlicher und abendländischer Bildungs- und Kulturwerte erzogen“ werden.

    Dennoch ist jede christliche Gemeinschaftsschule nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 17.12.1975 verpflichtet, dass sie „weltanschaulich religiöse Zugänge so weit wie möglich ausschaltet sowie Raum für eine sachliche Auseinandersetzung mit allen religiösen und weltanschaulichen Auffassung – wenn auch von einer christlich bestimmten Orientierungsbasis her – bietet und dabei das Toleranzgebot achtet“.

    Diesen gesetzlichen Grundlagen tragen die Bestimmungen zur Durchführung von Schul- und Schülergottesdiensten Rechnung, wenn sie einerseits in besagter abendländischer Tradition Schul- und Schülergottesdienste als selbstverständlichen Teil des Erziehungs- und Bildungsauftrages definieren (positive Religionsfreiheit), andererseits jedoch die negative Religionsfreiheit und damit für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer die Freiwilligkeit der Teilnahme garantieren.

    (aus „Gott(esdienst) feiern mit und in der Schule“, eine Orientierungshilfe von A.Leube/Th.Holm/S.Hermann)

     

    Bekanntmachung zu den Grundsätzen der christlichen Gemeinschaftsschule nach den Artikeln 15 und 16 der Landesverfassung Bekanntmachung vom 4. Februar 2013 (Kultus und Unterricht [KuU] Nr. 5/2013 S. 30) (pdf-Datei)

    Quelle: Kirchenrecht der Evangelischen Landeskirche in Baden. 370.202 - Artikel vom 03.08.2016

  • add "Gott(esdienst) feiern mit und in der Schule" - Eine Orientierungshilfe

    "Gott(esdienst) feiern mit und in der Schule"

    Eine Orientierungshilfe zur Planung und Durchführung von Schulgottesdiensten

    Schuldekanin Leube (Göppingen), Schuldekan Holm (Ulm) und Stefan Hermann, Direktor des ptz Stuttgart haben eine Orientierungshilfe für Schul- und Schülergottesdienste verfasst.
    Die 13-seitige Ausführung beschäftigt sich u.a. mit der rechtlichen Grundlegung sowie grundlegenden Gedanken zu einem Schulgottesdienst. Zusätzlich beinhaltet sie einen Ablauf für einen Schul-Gottesdienst und beantwortet oft gestellte Fragen zu dem Thema. Die Autoren hoffen mit dem Papier, die Vorbereitung und Durchführung von Schul-Gottesdiensten zu erleichtern und die Freude am Gottesdienst zu fördern.

    Download der Orientierungshilfe "Gottesdienste_feiern mit und in der Schule" (pdf-Datei)

  • add Begriffsklärung "Schulgottesdienst" | "Schülergottesdienst"

    Schulgottesdienst oder Schülergottesdienst? 

    Schulgottesdienste und Schülergottesdienste sind nicht nur begrifflich zu unterscheiden. Sie haben auch rechtliche Konsequenzen. Hier ein Überblick:

    SchulgottesdiensteSchülergottesdienste
    ...sind schulische Veranstaltungen.

    ...sind Veranstaltungen der Religionsgemeinschaften.

    ...unterfallen mit Hin - und Rückweg der gesetzlichen Unfallversicherung (auch in kirchlichen Räumen)....unterfallen auf dem Weg vom Gottesdienstort zur Schule dem gesetzlichen Versicherungsschutz, wenn dieser nicht erheblich länger ist als der normale Schulweg und wenn der Gottesdienst mindestens 30 Minuten beträgt.
    ...unterfallen vollständig dem Versicherungsschutz (auch in kirchlichen Räumen), wenn der Gottesdienst fester Bestandteil des stundenplanmäßigen Religionsunterrichtes ist.

    Die Aufsichtspflicht obliegt der Schule.

    Die Aufsichtspflicht obliegt den Religionsgemeinschaften.

    Eine Beauftragung der Lehrkräfte mit Aufsicht ist nur mit deren Zustimmung möglich.

    Wichtig: Für Schülerinnen und Schüler, die nicht am Schul- oder Schülergottesdienst teilnehmen, sich aber in der Schule aufhalten, obliegt der Schule die Aufsichtspflicht. Die Schule muss für eine geeignete Unterbringung sorgen (Aufenthaltsraum, Zuweisung in andere Klasse).

     

     

     

Religiöse Feiern im multireligiösen Kontext der Schule

lautet der Titel einer Arbeitshilfe der vier Landeskirchen (ekiba|elkw|drs|ebfr) für alle Schularten in Baden-Württemberg. Sie bietet Modelle, welche die wachsende kulturelle und religiöse Vielfalt an Schulen und die daraus resultierenden Bedürfnisse angemessen aufnehmen.

Die Arbeitshilfe enthält Impulse und Praxisbeispiele zum Beispiel für multireligiöse Feiern zur Einschulung, zum Schuljahresbeginn oder zum Abschluss des Schuljahres bzw. der Schulzeit, aber auch anlässlich von „Tod und Trauer in der Schule“.

Mit der Handreichung soll einen Schritt über die bisherige Praxis hinausgegangen werden, die Angehörigen anderer Religionen lediglich „in liturgischer Gastfreundschaft“ zu den christlichen Schulgottesdiensten einzuladen. Multireligiöse Feiern können etwa dann sinnvoll sein, wenn es darum gehe, „Leiderfahrung und Trauer gemeinsam Ausdruck zu verleihen und deren Bewältigung zu unterstützen“. Sie seien zu unterscheiden von Schulgottesdiensten etwa zu Weihnachten oder Ostern als „genuin christliche Feste“.

Download der Handreichung "Religiöse Feiern im mulitreligiösen Kontext der Schule" (pdf-Datei)

* aus "Projekt Schulgottesdienst" - Modell zu Schulanlässen und Themen - Kleine Formen - Kollegiumsandachten, Heinrich Halverschie/Hans-Martin Lübking (Hg.), Gütersloher Verlagshaus 2007