Was ist guter Unterricht?

  • add 1. Klare Strukturierung des Unterrichts

    ist erkennbar an:
    • der verständlichen Lehrer - und Schülersprache
    • der klaren Definition der Rollen der Beteiligten
    • der Konsequenz, mit der sich der Lehrer an die eigenen Ankündigungen hält
    • der Klarheit der Aufgabenstellung
    • der deutlichen Markierung der einzelnen Unterrichtsschritte
    • der klaren Unterscheidung von lehreraktiven und schüleraktiven Unterrichtsformen
    • der geschickten Rhythmisierung des Unterrichtsablaufs
    • dem Einhalten von Regeln und dem Einsatz von Ritualen
    • einer zum Ziel, zum Inhalt und zu den Methoden passenden Raumregie

  • add 2. Hoher Anteil echter Lernzeit

    ist erkennbar an:
    • die Mehrzahl der Schüler ist aktiv bei der Sache
    • die Schüler lassen sich nicht von Kleinigkeiten ablenken
    • es entstehen inhaltlich reiche Arbeitsergebnisse
    • Lernphasen und rekreative Phasen wechseln sich ab
    • es treten kaum Disziplinstörungen auf
    • die gewährten Freiheiten werden nicht missbraucht
    • der Lehrer schweift nicht ab, er stört die Schüler nicht beim Lernen

  • add 3. Lernförderliches Klima

    ist erkennbar an:
    • einem respektvollen Umgang Lehrer – Schüler
    • keinem „Liebesentzug“ bei schlechten Leistungen
    • gegenseitiger Rücksicht und Hilfe untereinander
    • keiner Bevor - oder Benachteiligung von Schülern
    • nur wenigen Rivalitäten und Machtkämpfen zwischen Schülern
    • klar definierten Klassenämtern
    • hoher Eigenkontrolle der Schüler (Selbstermahnung an vereinbarte Regeln)
    • es wird gelacht

  • add 4. Inhaltliche Klarheit

    erkennbar an:
    • informierenden Unterrichtseinstiegen
    • Monitoring (Fähigkeit eigenes Lernen zu reflektieren)
    • Konzentration auf Themenstellung
    • Aufgreifen von Vorerfahrungen und Alltagsvorstellungen
    • gegliederten, sauberen Darstellungen (Tafel, Heft usw.)
    • Einsatz passender Medien
    • Veranschaulichungen, Modelle
    • intelligentem Umgang mit Fehlern
    • Festhalten von Zwischenergebnissen
    • regelmäßigen Wiederholungen und Zusammenfassungen

  • add 5. Sinnstiftendes Kommunizieren

    ist erkennbar an:
    • Schüler sind bei der Sache und erleben das Lernen lustvoll
    • Schüler bringen fachliche und überfachliche Interessen ein und entwickeln sie weiter
    • Schüler greifen von sich aus auf vorherige Unterrichtsthemen zurück
    • Schüler geben Rückmeldungen zum Lernfortschritt und Lernschwierigkeiten
    • Schüler vertrauen den Ausführungen des Lehrers und lassen sich auf seine inhaltlichen Vorwegnahmen ein
    • Schüler beziehen persönlich Stellung
    • Schüler stellen kritische und weiterführende Fragen
    • Schüler beurteilen ihre Arbeitsergebnisse in angemessener Art und Weise

  • add 6. Methodenvielfalt

    Methodische Grundformen (Makromethodik)
    • Lehrgangsförmiger Unterricht
    • Individualisierter Unterricht
    • Kooperativer Unterricht

    Handlungsformen (Mesomethodik)
    • Sozialformen (Plenum, Gruppenunterricht, Tandemarbeit, Einzelarbeit)
    • Handlungsmuster (z.B. Vortrag, Textarbeit, Tafelarbeit)
    • Verlaufsformen (z.B. Einstieg, Erarbeitung, Ergebnissicherung)

    Inszenierungstechniken (Mikromethodik)
    z.B. vormachen, provozieren, dramatisieren, ausblenden

  • add 7. Individuelles Fördern

    ist erkennbar an:
    • Schüler arbeiten an unterschiedlichen Aufgaben und kommen gut voran
    • Es gibt nach Thema, Schwerpunkten unterschiedliche Lehrbücher und Materialien
    • Es werden regelmäßig Lernschleifen eingebaut
    • Schüler mit motorischen Schwierigkeiten können eine Auszeit nehmen
    • Leistungsstarke Schüler haben die Möglichkeit sich aus Routineaufgaben auszuklinken und an eigenen Schwerpunkten zu arbeiten
    • Alle Schüler sind mit den Leistungsunterschieden vertraut und helfen sich gegenseitig
    • Lehrer macht die individuellen Leistungserwartungen transparent

  • add 8. Intelligentes Üben

    ist erkennbar an:
    • häufigen aber kurzen Übungsphasen
    • ruhiger und konzentrierter Arbeitsatmosphäre mit wenigen Unterrichtsstörungen
    • differenzierten Übungsaufträgen
    • Materialien erlauben eine Lernerfolgskontrolle
    • Lehrer beobachtet die Übungsversuche und gibt differenzierte Hilfestellung
    • Anerkennung der Übungsleistungen der Schüler
    • Kontrolle und Würdigung der Hausaufgaben

  • add 9. Transparente Leistungserwartungen

    ist erkennbar an:
    • Besprechung der Leistungserwartungen mit den Schülern
    • Nachvollziehbarkeit für die Schüler (insbesondere für die schwächeren)
    • Information über den Schwierigkeitsgrad von Aufgaben
    • Klarheit der Aufgabenstellung
    • Verschiedene Formen der Leistungskontrolle
    • Klausuren und Tests werden angekündigt
    • Nutzung des Schülerfeedbacks zur eventuellen Korrektur von Leistungserwartungen

  • add 10. Vorbereitete Umgebung

    ist erkennbar an:
    • Klassenzimmer macht einen gepflegten und aufgeräumten Eindruck
    • Lärmpegel entspricht dem Arbeitsprozess
    • Umgang mit den Materialien ist behutsam und pfleglich
    • Schüler räumen ohne Aufforderung auf
    • Tafel ist geputzt
    • Position des Lehrers im Raum (vorne bei Erklärungen, eher zurückgezogen bei Moderation)
    • gute Beleuchtung, gute Belüftung des Raumes


aus "Praxisbuch: Was ist guter Unterricht" von Hilbert Meyer, Cornelsen 2016
Zusammenfassung siehe lehrerfortbildung-bw.de/u_matnatech/mathematik/gym/bp2004/fb1/modul7/unterricht/merkmale/guter_unterricht_2_1.pdf